DG Archiv, Programm 2003                     Link zurück zum Archivmenü
Programmübersicht 2003:


Ausstellung
22. November 2002 bis 2. Februar 2003
Vernissage Donnerstag, 21. November 2002, 19.30 Uhr
Einzelausstellung Thomas Virnich
Bescherung. Kapellen – Figuren – Landschaften
Ausstellung mit Katalog

Tagesexkursion
ins neueröffnete „Museum am Dom“ in Würzburg
Samstag, 15. März 2003

Vortragsreihe
Dienstag, 11. März 2003, 19.30 Uhr
Vortragsrreihe „Zeitgenössische Kunst und Religion“
Sonja Bürmann
„Das Verhältnis von Kunst und Religion am Beispiel von Kazuo Katase“

Ausstellung
27. März bis 4. Mai 2003
Vernissage, Mittwoch, 26. März 2003, 19.30 Uhr
Einzelausstellung Robert Klümpen
Ausstellung mit Katalog

Ausstellung
7. Juni bis 20. Juli 2003
Vernissage Freitag, 6. Juni 2003
Einzelausstellung Madeleine Dietz
Ausstellung mit Katalog

Ausstellung
3. September bis 20. Oktober 2003
Vernissage Dienstag, 2. September 2003, 19.30 Uhr
Einzelausstellung Anke Doberauer
Ausstellung mit Katalog

110 jähriges Bestehen der DG und
Verleihung des Gebhard Fugel Kunstpreises der DG 2003
an Studiengang Innenarchitektur, Projekt: Sakrale Räume,
Akademie der Bildenden Künste München
am 23. Oktober 2003, 19 Uhr

Ausstellung
12. November 2003 bis 6. Februar 2004
Vernissage Dienstag, 11. November 2003, 19.30 Uhr
Einzelausstellung Anna und Bernhard Johannes Blume
Ausstellung mit Katalog

Tagung „Sakrale Architektur“ und Exkursionen in Berliner Kirchen
21. bis 22. November 2003 in der
Katholischen Akademie in Berlin

Hannoversche Straße 5
10115 Berlin

Ausstellung
Herbst/Winter 2003
Einzelausstellung Thomas Lange in Münster
Ausstellung mit Katalog

Künstlertagung der DG
21. November bis 23. November 2003
in der Katholischen Akademie Berlin



Ausstellungen und Veranstaltungen 2003
Ausstellung Thomas Virnich – Bescherung · Kapellen, Figuren, Landschaften

22. November 2002 bis 2. Februar 2003
Vernissage Donnerstag, 21. November 2002, 19:30 Uhr
Einzelausstellung Thomas Virnich in der Galerie der DG in München

Ausstellung mit Katalog

1957 geboren in Eschweiler
1978 – 81 Studium an der RWTH Aachen bei Joachim Bandau
1981 Erstes Staatsexamen (Kunst, Sport)
1981 – 85 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Alfonso Hüppi und Eugen Gomringer
1983 Reisestipendium der Gesellschaft der Freunde
und Förderer der Kunstakademie Düsseldorf
Förderpreis der Stadt Aachen
Förderpreis des Bundeswettbewerbs „Kunststudenten
stellen aus“ Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft
1987 Villa Romana-Preis, Florenz
1987/88 Einzug in die ehemalige Schule in Mönchengladbach-Neuwerk
1987 – 89 Karl Schmidt-Rottluff-Stipendium
1991 Villa Massimo-Preis, Rom
1992 Professur an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig
2000 Erwerb eines restaurierungsbedürftigen Stadthauses in Soller, Mallorca
2001 Niedersächsischer Kunstpreis im Bereich Bildende Kunst
lebt in Mönchengladbach

Beim Betrachten der Skulpturen von Thomas Virnich ist unmittelbar seine Hand zu spüren. Die Hand als Maß seiner Kunst kann man insbesondere bei seinen keramischen Arbeiten deutlich wahrnehmen. Thomas Virnich erschließt sich die Welt zu einem wesentlichen Teil mit der Hand. Die Hand spielt auch eine große Rolle, wenn er formuliert, wenn er zum Beispiel vom ungläubigen Thomas spricht: „Ich bin doch fast vom Namen her ungläubig – will ich doch immer mit den Händen fühlen, ob das auch stimmt“ oder wenn er davon spricht, „dass die Welt handhabbar wird als mein kleiner Planet“ oder wenn er über sich nachdenkt: „aber man kann mit den Händen doch viel testen und dieses mit der Hand nachfühlen, dann später abformen, umformen ist das Plastische, was mich, glaube ich, von meinem Naturell her sehr stark formt.“ Die Hand, ihre organische Form, ihre gestalterische Geschicklichkeit, ihre Wendigkeit, Spontaneität und vor allem ihre bis in die zartesten Nuancen reichende Fühlkraft, ihre warme und menschliche Ausstrahlung, ihre Entdecker- und Tastfreude, sind wesentliche Charakteristika in der Arbeit von Thomas Virnich. Er nimmt die Welt mit seinen Händen plastisch in die Hand, seine Gedanken scheinen ständig in haptische Formen zu schlüpfen. Seine Kunstwerke sind oft auf die Proportionen oder die Erlebnisse seiner Hand zurückzuführen. Wenn er sich als Bildhauer für Architektur interessiert, wird spürbar, wie er den Raum erfühlt, wie er ihn ertastet, ihn plastisch auskundschaftet. Sein Werk macht deutlich, dass die Morbidität, die Verletzlichkeit der Welt nach geistigem Verbandszeug, nach phantasievollen Rettungsfahrzeugen schreit.

Ein solches Fahrzeug ist in seinem Werk das Raumschiff. Mit dem mächtigsten und schnellsten Verkehrsmittel, in dem alle menschlichen Transportmöglichkeiten ihre höchste Steigerung erfahren, lassen sich mit irdischen Mitteln utopische Ziele anvisieren. Das Raumschiff fliegt in unendliche Weiten und es lässt vermuten, dass Thomas Virnich die Unermesslichkeit als Ort größter Inspirationsverdichtung magnetisch anzieht. Das Unmögliche fordert ihn heraus. Das Raumschiff gleitet mit Lichtmeilengeschwindigkeit durch Raum und Zeit und dies bedeutet ungeheure Risiken, aber auch die Möglichkeit zu entdecken, Rätseln auf die Spur zu kommen. Thomas Virnich durchquert mit seiner Phantasie unermessliche Räume und er versucht mit seinen Werken uns eine Ahnung davon zu geben. Sein Raumschiff „Enterprise“ ist ein Schiff für Räume, ein Sammelort für Architektur, ein Speicher, auf dem Kirchtürme, Apsiden, Fassadenteile transportiert, vielleicht auch gerettet werden. Es ist ein spirituelles Transportmittel. Er legt uns die Assoziation von Kirchenschiff und Raumschiff, von Himmelfahrt und Raumfahrt nahe. Die Religion als Schatzkammer der größten geistigen Geheimnisse und die Raumfahrt als größtmögliche Ausdehnung menschlicher Neugier stehen sich gegenüber. Die Verbindung von Kirche mit Sciencefiction ist im Werk von Thomas Virnich ganz nahe liegend, da beide, die Religion und die Imaginationen ferner Welten, von der Zukunft handeln, Annäherungen an Geheimnisse, an Unsichtbares, rational nicht Beweisbares, darstellen. Im Folgenden erklärt Thomas Virnich ganz anschaulich, wie er auf diese Assoziationen kam: „Als ich mit den Kindern Sciencefiction-Filme angeschaut habe, ist mir aufgefallen, dass unser ganzes Formgehabe auch in die Zukunft betrachtet immer nur aufgrund unserer Geschichte stattfindet. Ich konnte also manches Raumschiff von George Lucas , dem „Krieg-der-Sterne“ Erfinder, durchaus identifizieren als einen alten Mayatempel und die Erkenntnis gewinnen, dass auch unsere Sciencefiction-Bilder (die ich vom Bild her für sehr gewaltig halte, vom Inhalt her für sehr sehr uninteressant) und insbesondere ihre Bildgewaltigkeit auf der Adaption religiöser Bauten beruht. Dieses Sehen hat mich weitergebracht und deshalb habe ich die Idee der Sciencefiction in meiner Skulptur aufgenommen“.

Vortrag

Dienstag, 11. März 2003, 19.30 Uhr
Vortragsreihe „Zeitgenössische Kunst und Religion“ in der Galerie der DG in München
Sonja Bürmann: „Kazuo Katase. Bilder von Ich und Meer“
Zum Verhältnis von Kunst und Religion

„Wie das blau des Himmels, das man, wenn es nicht da ist, nur ahnen kann“
(Kazuo Katase)

Der 1947 in Japan geborene Kazuo Katase lebt und arbeitet seit 1976 in Kassel. Sein Gesamtwerk ist multimedial ausgerichtet und umfasst Malerei, Fotografie, Performance, Skulptur, Installation und Enviroment. Ein zentraler Moment in der künstlerischen Diktion Katases gründet in der Beschäftigung mit den kulturellen, religiösen und geistesgeschichtlichen „Räumen“ des Christentums und des Buddhismus. In den Arbeiten thematisiert Katase den eigenen kulturellen Hintergrund in der Auseinandersetzung mit der westlichen Kultur mit der Perspektive Bezugspunkte oder Anschlussstellen zwischen den Kulturkreisen zu benennen und sichtbar zu machen.

Sonja Bürmann studiert in Hannover und Göttingen Religionswissenschaft, kath. Theologie, christliche Archäologie und byzantinische Kunstgeschichte.


Ausstellung Robert Klümpen – Helles und Dunkles

27. März bis 4. Mai 2003
Vernissage Mittwoch, 26. März 2003, 19.30 Uhr
Einzelausstellung Robert Klümpen in der Galerie der DG in München

Ausstellung mit Katalog

1973 geboren in Issum
1994-2001 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei den
Professoren A. R. Penck und Dieter Krieg
1999 Reisestipendium der Kunstakademie Düsseldorf;
SDV-Förderpreis der Stipendiaten der Kunstakademie
2000 Meisterschüler von Dieter Krieg
2004 Stipendium in Venedig durch die Studienstiftung des Deutschen Volkes

Der Ausstellungstitel „Helles und Dunkles“, den Robert Klümpen formuliert hat, charakterisiert eine wesentliche Entwicklung: nach einer ausgiebigen Beschäftigung mit dem Tag als Thema wendet er sich in seinen neusten Arbeiten der Nacht zu.
Die Nacht ist ein Schutzraum, wie ein dunkler Mantel oder eine schattige Höhle gibt sie uns die Möglichkeit zum Rückzug, zum Verdecken unserer Scheu, unserer Scham oder unserer Peinlichkeiten. In der Nacht führen wir oft aus, was wir uns bei vollem Tageslicht nicht getrauen würden. Die Nacht kann etwas Enthemmendes, Lösendes, Lockerndes haben; sie ist deshalb auch eine gute Zeit für alles Gefährliche, Mutige oder Erotische. Milieustudien in der Großstadt haben Robert Klümpen gereizt, wie seine Nacht-Bilder zeigen. Das Eintauchen in die Stimmungen der Nacht, in die Farbreflexe, die Schattenzonen, die Lichtblendungen, in das helle Leuchten der Reklamenschilder, in das grelle künstliche Licht, in sanft beleuchtete und verfließende Farben, in Verschwimmen und Verschmelzen von Farbtönen, in spärlich vom Licht getroffene Flächen, in schwarze Horizonte und Felder, in das signalhafte Aufschießen von greller Farbe, in schimmerndes oder sich verzehrendes Licht, in die atmosphärischen Veränderungen von Farbe und Form, all diese Phänomene hat Robert Klümpen beim Malen voll ausgekostet.

Raum und Architektur, die Robert Klümpen in seiner Malerei immer wieder, mal ganz vereinfacht, dann auch in komplexen Staffelungen interessieren, leben ganz besonders von den Licht- und Schattenqualitäten. Le Corbusier definierte deshalb die Architektur ganz pointiert ästhetisch als das exakte und prächtige Spiel kombinierter Körper im Licht. Auch die griechischen Tempel wurden durch das optische Spiel des Schattenwurfes betont und gegliedert. Robert Klümpen hat in seinen „Nachtbüdchen“, seinen Kneipenansichten bei Nacht, seinen nächtlichen Supermärkten sich noch einmal verstärkt mit den Wirkungen von Licht und Schatten auf den Raum, die Fassade, die Mauern, die Fenster, die Türen beschäftigt.

Robert Klümpen kehrt mit dem Thema des „Chiaroscuro“ zu einem Kernthema der Malerei zurück. „Die Farben sind Taten und Leiden des Lichtes“, wie Goethe in seiner Farbenlehre formulierte.

Robert Klümpen baut vor unseren Augen eine raffinierte malerische Welt auf, in der viele „Malerbehauptungen“, oft ganz unauffällig sprießen und sich mit seiner feinen und leisen Ironie mischen. Genauso feinfühlig und delikat wie er mit den Farben umzugehen weiß, behandelt er auch die Figuren, die Menschen in seinen Bildern. Er tritt ihnen nicht zu nahe, wenn er sie beobachtet oder malt. Er gewährt ihnen und ihren Gefühlen einen großen Spielraum. Er verfremdet unsere Alltagswelt mit solcher Selbstverständlichkeit, dass es wie bei der Mimikry und den Tarnfarben in der Natur, ein großer Reiz wird, in das Dahinter oder Da-zwischen, auf den Grund der Illusion, zu blicken. Seine Bilder haben etwas „Mückenhaftes“, etwas Locken-des: wie das Licht in der Nacht die Insekten anzieht, so ziehen seine Bilder und vor allem seine Figuren die Neugier des Betrachters auf sich.

Ausstellung Madeleine Dietz

7. Juni bis 20. Juli 2003
Vernissage Freitag, 6. Juni 2003, 19.30 Uhr
Einzelausstellung Madeleine Dietz in der Galerie der DG in München

Ausstellung mit Katalog

1953 geboren in Mannheim
1970-74 Studium Werkkunstschule Mannheim (Buchgrafik und Buchillustration)
ab 1986 Videoarbeiten, Performances, Rauminstallationen
1992 Daniel-Henry-Kahnweiler-Preis für Bildhauerei und Plastik
ab 1992 erste Lichtinstallationen / Projektionen
1993 Landau, Konzeption und Organisation des Projektes KIRCHGÄNGE
1996 Paris, Cité International des Arts, Stipendium des Landes Rheinland-Pfalz
1997 Florenz, Villa Romana, Gaststipendium
1998 Arbeitsstipendium USA des Landes Rheinland-Pfalz
1999/2000 Lehrauftrag HBK Saarbrücken
2003 erhält Madeleine Dietz in Hamburg den Ernst-Barlach-Preis

„Die Grenzen, die das Leben vom Tode scheiden, sind bestenfalls schattenhaft und vag. Wer könnte sagen, wo das eine endet und wo das andere beginnt?“ (Edgar Allan Poe)

Der Wunsch, Leben zu geben, durchzieht wie ein Leitmotiv die Arbeiten von Madeleine Dietz. Es handelt sich um einen ganz archaischen, tiefen und einfachen Wunsch, der jedes Mal in Erfüllung geht, wenn sie eine Skulptur schafft, eine Installation aufbaut oder eine Performance aufführt. Leben und Tod, Gebären und Sterben treffen in ihren Werken präzise und direkt aufeinander.

Stahl und Erde bilden in ihren Werken eine machtvolle Kombination. Die beiden Materialien prallen wuchtig und kraftvoll aufeinander. Eine Hochzeit zweier außerordentlich gegensätzlicher Materialien; daraus entsteht große schöpferische und gedankliche Spannung. Getrocknete, rissige Erde und glatter, kühler Stahl verbinden sich in ihren Arbeiten wie Geschwister. Beide Materialien können in ihren Arbeiten jeweils Leben und Tod ausdrücken. Darin liegt vielleicht ein Schlüssel für ihr Verständnis. Die Erde ist brüchig und zerbröselt, der Stahl ist erkaltet und kann rosten. Beide sind Zerfallsprozessen ausgesetzt.

Die Erde lebt durch ihre vielen organischen Bestandteile, der Stahl spiegelt das Licht bzw. kann von der Sonne aufgeheizt, ganz warm werden. Beide Materialien öffnen sich dem Leben.
Qualitäten wie hart und weich, fest und gelöst, streng und offen überwinden sich gegenseitig, stehen parallel und ebenbürtig nebeneinander. Wer das Leben liebt, liebt den Tod und wer den Tod liebt, liebt das Leben scheinen Erde und Stahl zu vermitteln.

Erde ist für Madeleine Dietz etwas Filigranes. Die Feinheit und Sensibilität, die Madeleine Dietz in der Erde spürt, erfordert einen Schutz, den der Stahl auf hermetische Art und Weise gewährt. Der Stahl ist für Madeleine Dietz ein Tresor, mit dem sie die oftmals viel geschundene und missachtete Erde eingrenzen und bewahren kann. Mit dem Stahl gibt sie der Erde eine Hülle, prägnante Konturen, eine Umformung, um das Formlose, der Form widerstrebende, in der Form zu halten.

Madeleine Dietz verwendet Stahl in seiner einfachsten Weise, nämlich als Stahlblech bzw. Walzstahl. Er wird nicht geschliffen, geätzt oder gegen Oxidation geschützt. Sie zieht es vor, das Stahlblech ganz unbearbeitet zu verwenden. Der Prozess des Eisenschmelzens ist in den Stahlblechen nicht ausgelöscht, sondern bleibt nachvollziehbar. Die Walzhaut bleibt erhalten, die Stahlbleche changieren in verschiedenen Farbtönen. Die Walzhaut verleiht dem Stahl eine samtige Oberfläche. Madeleine Dietz lässt im Stahl ihre Bearbeitungsspuren zurück, Schweißnähte sind deutlich zu erkennen. Natürlichkeit und Ursprünglichkeit kennzeichnen ihre Arbeit mit den Stahlblechen. Stahl ist in ihren Werken kein technisches Material, kein künstliches Industrieprodukt, sondern ein archaischer und lebendiger Behälter für die so leicht verletzbare Erde. Stahl hält die Erde am besten und kann einfach bearbeitet werden. Er ist wie die Erde ein gewöhnliches, elementares, nicht-edles Material. Mit Stahl und Erde gelingt es Madeleine Dietz, die Wurzeln unseres Menschseins freizulegen, gleichsam herauszuschälen. Erde und Stahl werden in ihren Werken zu Ursubstanzen unseres ganzen Seins, mit denen sie uns anregt, über unseren Ursprung und unsere Bestimmung nachzudenken.

Ausstellung Anke Doberauer

3. September bis 20. Oktober 2003
Vernissage Dienstag, 2. September 2003, 19.30 Uhr
Einzelausstellung Anke Doberauer in der Galerie der DG in München

Ausstellung mit Katalog

1962 geboren in Bad Homburg v.d.H.
1982-89 Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig
Germanistikstudium an der Technischen Universität Braunschweig
1991 Meisterschülerin bei Ben Willikens
1992 3eme cycle an der Ecole Supérieure de Beaux-Arts, Marseille-Luminy
1993 Karl Schmidt-Rottluff-Stipendium
1994 Stipendium der Hessischen Kulturstiftung für die Cité Internationale des Arts, Paris
1997 Dreimonatiger Arbeitsaufenthalt an der Friedrich-Schiller-Universität, Jena
1998-99 Neunmonatiger Arbeitsaufenthalt am Collegium Budapest Institute for Advanced Study
2000 Gästeatelier der Villa Romana, Florenz
seit 2000 Professorin für Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste, München

Die DG veranstaltete die erste Einzelausstellung von Anke Doberauer in München

Anke Doberauer lebt und arbeitet in München und Marseille. Sie hat sich als Künstlerin konsequent für die Malerei als Ausdrucksmittel entschieden. Das Raumerlebnis spielt bei ihren Bildern eine entscheidende Rolle. Sie malt lebensgroße Figuren vor überlebensgroßen farbigen Flächen. Ihre Formate wirken wie Türen, das gibt ihren Bildern eine starke physische Wirkung.

Die Präzision ihrer Malerei, die Größe der Leinwand und die feine Lasurmalerei führen zu einer intensiven und direkten Kommunikation mit dem Betrachter, der sich der Präsenz ihrer Bilder nur schwer entziehen, kaum ausweichen kann.
Die monochromen Bildhintergründe ihrer Arbeiten ähneln in ihrer Funktion den Goldgründen von Ikonen. Sie kombiniert wenige, einfache Grundelemente oder Farben, so dass ein geheimnisvoller Raum mit einer besonderen Aura entstehen kann, der die Persönlichkeit ausdrucksvoll umgibt.
In der Galerie der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst zeigt Anke Doberauer vor allem ihre neuen Bilder. Der Katalog ermöglicht auch einen Einblick in ihr Leben in Marseille, wo sie seit über zehn Jahren wohnt und arbeitet. Der Mont Ventoux, der Hafen von Marseille, die Stadtlandschaft und vor allem das Licht in Südfrankreich, sind essentielle Themen in ihrer Malerei geworden.

Ihre Bilder entstehen langsam in einer aufwändigen Lasurtechnik und bei Tageslicht. Die strahlenden Bildgründe, der schichtweise Aufbau, die Lasuren und der Schlussfirnis, der verwendet wird, verleihen ihren Bildern Präsenz und Intensität. Die meisten ihrer Figuren sind stehend dargestellt. „Das Bild eines aufrecht stehenden Menschen ist (...) der Archetyp der Archetypen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass vielleicht diese alten Bilder die eigentliche Religion sind, und dass wir sie tatsächlich brauchen, mehr als wir ahnen.“ (...) „Ich glaube an das Bild, wie die Heiden – und die Katholiken, für die der Wein das Blut Christi ist, und nicht etwa bedeutet. So bedeuten meine Bilder gar nichts, sie sind keine Metaphern, sondern sie sind einfach da.“ (Zitate von Anke Doberauer)

In dem Gemälde „Aussicht“ wählt sie ein klassisches Thema: eine Berglandschaft, die monumentale Dimensionen hat. Sie zeigt ein Landschaftspanorama, wie man es von der Festung Hohensalzburg sieht. Sechs Touristen stehen in Rückenansicht vor einer Brüstung und schauen in die Ferne. Das Gemälde besteht aus vier hochformatigen Leinwänden, die aneinandergefügt sind. Die Touristen sind in Freizeitkleidung, ein Panorama genießend, dargestellt. Eine typische Urlaubssituation, könnte man annehmen. Das Panorama auf das sie blicken, weist jedoch einige Merkwürdigkeiten auf. Jede der vier Leinwände zeigt unterschiedliches Wetter. Die klimatische Situation, das Licht, das die Farben entscheidend beeinflusst, sind auf jeder Leinwand anders. Die Sicht kann klar, dunkel, diesig oder milchig sein. Ein seltsamer Schleier, ein mysteriös wirkender weißer Strahl legt sich auf der letzten Leinwand vor die Berge. Das Bild strahlt etwas Beunruhigendes, Unverständliches aus. Wir sehen ein Panorama, das keine einheitliche Wirkung hat. Es entsteht keine Totalität, sondern Getrenntheit, Disharmonie. Das Bild wirkt, weil es so rätselhaft ist, sehr einprägsam.

Es entstand während eines Arbeitsaufenthaltes der Künstlerin in Salzburg im Herbst 2001 noch unter dem Schock des 11. September. Das Bild reflektiert die getrübten, veränderten, unklaren und schwierigen Aussichten, die sich durch dieses Jahrhundertereignis ergeben haben. Die Uneindeutigkeit unserer zeitgenössischen Situation, die Vorsicht und Mut zugleich verlangt, schwingt in dem Panorama mit.

110 jähriges Bestehen der DG und Verleihung des Gebhard Fugel Kunstpreises der DG 2003

an Studiengang Innenarchitektur, Projekt: Sakrale Räume, Akademie der Bildenden Künste München
am 23. Oktober 2003, 19 Uhr, in den Räumlichkeiten der DG in München

Begrüßung durch Klaus Simon
Künstlerpräsident der DG

Laudatio durch Prof. Dr. Winfried Nerdinger
Prof. für Architekturgeschichte + Direktor des Architekturmuseums der TUM

Preisverleihung durch Dr. Gebhard Streicher
SPA Stiftung Panorama Altötting

Musikalische Umrahmung durch
Emmanuel Byok Song Woo, Gesang

Alle drei Jahre lobt die DG den Gebhard-Fugel-Preis aus. Der Maler Gebhard Fugel war 1893 Gründungsmitglied der DG. Der Preis kann in den Disziplinen Malerei, Bildhauerei, Kunsthandwerk und Architektur sowie in allen neu auftretenden Ausdrucksmöglichkeiten im Rahmen der bildenden Künste vergeben werden. Vorrangig sollen solche Leistungen berücksichtigt werden, die in der jeweilig zeitgenössischen Kunst und in Bezug auf künftige Entwicklungen bedeutsam oder richtungweisend erscheinen. Preisträger waren unter anderem Gottfried Böhm, Herbert Falken, Fritz König und Dorothee von Windheim.

Den Gebhard-Fugel-Preis 2003 bekommt der Studiengang Innenarchitektur der Akademie der Bildenden Künste in München (Lehrstuhl für Gestaltung und Ausstattung im Ausssenraum, Prof. Maria Auböck und Lehrstuhl für Raumgestaltung, Prof. Manfred Kovatsch) für das Projekt „Sakrale Räume“ verliehen.
Der Gebhard-Fugel-Preis ist mit 5000 Euro dotiert.

An dem Projekt waren im Studienjahr 2001/2002 Studententinnen und Studenten aller Semester und alle Lehrer des Studiengangs sowie externe Referenten beteiligt.

Der Preis anerkennt die außergewöhnliche Aktion des Studiengangs und deren Resultate. Mit der Dotierung sollen Überlegungen zu einem Folgeprojekt ermutigt werden. Die DG regt an, daran weitere Lehrstühle und Klassen der Akademie zu interessieren.

An den Lehrstühlen fanden Entwurfsübungen, Vorträge und Seminare zum Thema „Sakrale Räume“ statt.
Es wurden Vorlesungen und Werkberichte organisiert. Diese unterstützten die Entwurfsarbeit der Studenten und waren zum Teil auch öffentlich zugänglich. Diese gemeinsamen Veranstaltungen führten zu einem Synergieeffekt von Lehre und Praxis.
Folgende Themen wurden bearbeitet: Ritualweg und Altar für eine Feldmesse, Gestaltung des Vorplatzes der Hofkirche in Innsbruck, „Das Paradies“ im Umfeld der Kirche St. Maximilian, Friedhof und Denkmalhain/Grabdenkmal, Raumtypologie von Sakralräumen, Gestaltung des Altarbereiches der evangelischen Kirche Gauting. Orte der Stille, Sakrale und profane Nutzung der Kirche St. Maximilian. Die Entwürfe wurden im Rahmen der Jahresausstellung der Akademie der Bildenden Künste 2002 in der Kirche St. Maximilian in München ausgestellt. Zur Jahresausstellung erschien ein Katalog.

Ausstellung Anna und Bernhard Blume

12. November 2003 bis 6. Februar 2004
Vernissage Dienstag, 11. November 2003, 19.30 Uhr
Einzelausstellung Anna und Bernhard Johannes Blume

Ausstellung mit Katalog

1937 Anna Blume in Bork/Westfalen geboren
1937 Bernhard Blume in Dortmund geboren
1960-65 Beide Kunststudium an der Staatl. Kunstakademie Düsseldorf
1967-70 Bernhard Blume Philosophiestudium an der Uni Köln

Seit 1967 leben und arbeiten Anna und Bernhard Blume in Köln.

Es gibt nach wie vor viele Einzelausstellungen des Künstlerpaares sowie Beteiligungen an wichtigen nationalen und internationalen thematischen Ausstellungen. Um nur wenige Beteiligungen mit größeren Beiträgen seit 1999 zu nennen:
Neue Nationalgalerie Berlin: ,Das XX. Jahrhundert. –Ein Jh. Kunst in Deutschland’
Kunstsammlung NRW u. Kunsthalle Düsseldorf: ,Global-Art 2000’ (,Kunst am Ende des Jahrhunderts’), Beiträge zu: ,Ich ist etwas anderes’ und: ,Das fünfte Element’
ZKM, Karlsruhe: ,Der anagrammatische Körper’, 2000
Museum der Bildenden Künste Leipzig und Folkwang Museum Essen: ,Wahnzimmer’ & ,Klopfzeichen’ (Kunst der 80er in der BRD und DDR), 2002/2003

Die Serie „Prinzip Grausamkeit“ von Anna und Bernhard Johannes Blume besteht aus paradoxen, unverdaulichen und irritierenden Bildern, die die Künstler mit Maximen des französischen Philosophen Clément Rosset kombiniert haben. Die Bilder basieren auf Polaroids, die die Künstler digital bearbeitet haben.Der Text des Philosophen, der im Original unter dem Titel „Das Prinzip Grausamkeit“ erschien, wurde von den Künstlern in einzelne, prägnante Sätze zusammengefasst. Die Sätze, die sie den Bildern jeweils gegenüberstellen, wirken imperativisch, wie Ausrufezeichen. Sie sind hermetisch, direkt und schonungslos, treffen wie Marterschläge das Bewusstein. Scharf und ungemütlich greifen sie in unser gewohntes Denken, reißen sie uns aus unserer Routine, denn „Wahrheiten müssen robust sein“. Die Welt ist grausam und zwischen Himmel und Erde, darunter und darüber gibt es nichts. Keine Tröstung, keine Erholung, keine Linderung, keine Arznei wird angeboten, denn „Das blutende Fleisch ist die Sache selbst“. Der Schmerz, die Wunde, die Verletzung genügen in ihrer nüchternen Reinheit. Alles, was man sonst noch darüber sagen könnte, schmälerte die Wirksamkeit dieser Anschauung.

Im Mittelpunkt der Polaroidserie steht die Verschmelzung der Gesichter von Anna und Bernhard Johannes Blume mit einem Sammelsurium von Plastikobjekten aus der Welt der Gartenbaucenter, Heimwerkermärkte und Haushaltsabteilungen der Warenhäuser. Kleiderbügel, Wäscheleinen, Gummihandschuhe, Küchensiebe, Malergitter, Gartenschläuche verdecken, verunstalten, verdrehen, verschnüren, durchbohren und durchqueren die Gesichter. Besonders abscheuliche Effekte werden mithilfe von Scherzartikeln wie künstlichen Augen und Händen inszeniert. Wabbelige Substanzen simulieren glitschige, puddingähnlich aufgehäufte Blutmassen.

Markant und beim Anschauen in ihrer Hässlichkeit und ihrem Schmerz nur schwer zu ertragende zerstörte Gesichter, bis fast zu Unkenntlichkeit verschobene Gesichtsteile, Gesichter die halb aufgelöst sind, die verdreht oder umgekehrt sind, die gedrittelt, gehälftet, geviertelt sind, Gesichtshälften die nicht zusammenpassen, die übereinander geschoben sind, all dies ergibt ein nur schwer definierbares Leidenspanorama. Die Tradition christlicher Märtyrerdarstellungen ist ein deutlich von den Künstlern aufgegriffener und eigenschöpferisch veränderter Entwicklungsstrang der abendländischen Geistes- und Kunstgeschichte. Die alte Frage, warum Leid existiert, beantworten die Künstler nicht affirmativ. Sie suchen den Konflikt mit dieser Frage, führen an die Grenzen. Sie suchen mit künstlerischen Mitteln, indem sie kein reales Leid abbilden, sondern verfremden, Vorstellungen der Selbstaufopferung zu distanzieren. Sie orientieren sich an den Künstlern und Menschen, die in ihrer Ver-rücktheit Bilder und Szenen sehen, die uns wahnhaft vorkommen und die wir als hell-seherisch oder magisch bezeichnen.

Die Blumes haben sich mit aufklärerischer Absicht immer wieder auf Kulturtraditionen des christlichen Abendlands bezogen. Motive wie göttliche Strahlen, Hostie, Kreuz, Begriffe wie Eucharistie, Amen oder Heil spielen in ihren Arbeiten eine wesentliche Rolle. Sie greifen mit Vorliebe auf besonders aufgeladene Zeichen und Begriffe zurück, um zu ent-auratisieren.
Die Künstler als poetische Bildzauberer erschaffen eine neue Dimension: sie entwenden die religiösen Zeichen, um zu Distanz und Rationalität zu verhelfen und sie legen ihre schützende Hand über die Zeichen, die nur dann verwendet werden sollten, wenn, der, der sie gebraucht, mit ihre Aussage in die Tiefe geht, um etwas Neues zur Welt zu bringen.

Tagung „Sakrale Architektur“ und Exkursionen in Berliner Kirchen

21. bis 22. November 2003 in der
Katholischen Akademie in Berlin, Hannoversche Straße 5, 10115 Berlin

Schwerpunktthema der Tagung der DG sind sakrale Architektur und Kirchenbau. In Vorträgen und Exkursionen können die Teilnehmer einen anschaulichen und auf aktuelle Beispiele sich beziehenden Einblick in wesentliche Strömungen und Diskussionen gewinnen. Kirchenbau, Ausstattung,Glasgestaltung, Lichtplanung, Aspekte der Renovierung von Kirchen, der Einfluss sakraler Architektur auf profane Bauten werden von den Vortragenden behandelt. Bei der Besichtigung von Berliner Kirchen wird es möglich sein, gemeinsam mit den jeweiligen Experten Architektur kritisch zu betrachten und vor Ort zu diskutieren.


Programm am Freitag, den 21. November 2003

13.00 bis 14.00 Uhr
Ankunft und Kaffeepause
Begrüßung
Klaus Simon, Künstlerpräsident der
DG, Bildhauer
Bernhard Bach, Schatzmeister der DG
Silke Rehberg, 3. Präsidentin der DG

14.00 bis 14.30 Uhr
Einführung
Dr. Beatrice Lavarini, Geschäftsführerin der DG

14.30 bis 15.00 Uhr
Vorstellungsrunde der Teilnehmer

15.00 bis 15.45 Uhr
Prof. Peter Kulka, Architekt, Köln und Dresden
„Die Transformation des Sakralen in der Architektur von Peter Kulka“

15.45 bis 16.00 Uhr Diskussion

16.00 bis 16.30 Uhr Kaffeepause

16.30 bis 17.00 Uhr
Wilhelm Peters, Glaswerkstatt Paderborn
„Architekturbezogene Glasgestaltung“

17.00 bis 17.30 Uhr Nikolaus Bienefeld, Architekt, Swisttal „Sakrale Räume und Einrichtungen“

17.30 bis 17.45 Uhr Diskussion

17.45 bis 18.15 Uhr Jan Thorn Prikker, Journalist, Bonn „Sakrale Räume“

18.15 bis 18.30 Uhr Diskussion


Exkursionen in Berliner Kirchen am Samstag, den 22. November 2003

9.00 bis 10.00 Uhr
Führung in St. Augustinus, Dänenstr. 17/18
Mit Bernd Krenz, Küster

11.00 bis 12.00 Uhr
Führung in St. Bonifatius, Yorckstr. 88 C
Mit Dr. Eva-Maria Kreuz, Architektin aus Stuttgart

12.00 bis 14.00 Uhr
Mittagspause

14.00 bis 15.00 Uhr
Führung in St. Canisius, Witzlebenstr. 30
Mit Dr. Walter Zahner, Theologe aus Regensburg

16.00 bis 17.00 Uhr
Führung und Diskussion „Kirchenbau heute“
in der Kapelle der Versöhnung, Bernauerstr. 4, Einmündung Ussittenstr.
Mit Klaus Simon, Künstlerpräsident der DG aus Krefeld


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